Der Bürgerbus in Plankstadt, bitte einsteigen! Die Gemeinderäte der Grünen Robert Brusnik (v. l.) und Heike Schütz informieren sich bei Sigrid Schüller, Beisitzerin des Bürgerbusvereins, über das Angebot. (Bild: Martin)

Heike Schütz legt anfängliche Skepsis ab

Bürgerbus Gemeinderatsfraktion der Grünen informiert sich in Plankstadt über das Konzept / 18 ehrenamtliche Fahrer sorgen zuverlässig für zusätzliches Mobilitätsangebot

In der Schwetzinger Zeitung vom 5.2.2020 ist folgender Beitrag über die Grünen erschienen. Autor: Marco Brückl

Ketsch/Plankstadt.

Die Fraktionssprecherin der Grünen im Gemeinderat sagt frank und frei: „Ich war recht skeptisch.“ Doch Heike Schütz hat ihre Meinung über ein mögliches Angebot eines Bürgerbusses in Ketsch geändert, nachdem sie sich mit ihren Fraktionskollegen Robert Brusnik und Günther Martin in Plankstadt informiert hat. Dort ist der Bürgerbus verwirklicht, rollt seit 2016. „Das schaffen die Ketscher auch“, sagt Schütz nun über potenzielle Nachahmungstäter. Der Bürgerbus ist eine Idee, die im Zuge des Gemeindeentwicklungskonzepts aufkam – der Gemeinderat befasste sich zuletzt damit, weil die SPD-Fraktion einen Antrag einbrachte, der die Verwaltung mit der Kostenermittlung beauftragt (wir berichteten).

Plankstadt habe ein gutes Konzept in die Tat umgesetzt, findet Heike Schütz. Freilich stehe und falle alles mit den ehrenamtlichen Bürgerbus-Fahrern. Und genau da habe sie Bedenken gehabt, sagt Schütz im Gespräch mit unserer Zeitung. Wegen der Zuverlässigkeit. Aber in Plankstadt werde das zusätzliche Mobilitätsangebot erfolgreich auf die Straße gebracht. „Ein dickes Lob. Das ist toll organisiert. Das funktioniert sehr zuverlässig“, sagt Schütz und weiß von 18 Fahrern, die den Bürgerbus in Bewegung halten.

Grippewelle und Urlaub abfedern

Sigrid Schüller vom Bürgerbusverein bestätigt, dass die Anzahl an ehrenamtlichen Fahrern einen gewissen Komfort bedeutet. 18 Fahrer plus die Berufstätigen, die sich samstags ans Steuer setzen – damit sei es jetzt „schön handelbar“. Grippewelle und Urlaubszeit könnten gut abgefedert werden. Die Beisitzerin im Vorstand, die den Bürgerbus 2016 mitinitiierte, vergleicht die aktuelle mit der Anfangszeit, als lediglich zwölf Fahrer zur Verfügung standen. Deshalb: „Ich rate den Ketschern, nicht gleich alle Tage zu fahren, bis man genug Fahrer hat.“ In Plankstadt sei bis zum heutigen Angebot von Fahrten unter der Woche alle halbe Stunde vormittags und nachmittags sowie samstagsvormittags sukzessive gesteigert worden. Die Fahrzeit im nördlichen Dorfteil beträgt 24 Minuten.

Die Fahrer, so erklärt Schüller, hätten in Plankstadt meist zusätzliche Aufgaben. Das Projekt wird ja von einem Verein getragen. Beispielsweise fahre der Geschäftsführer nicht nur den Bus, sondern kümmere sich auch um rechtliche Angelegenheiten. Andernfalls sei auch der Kassierer nicht nur der Finanzbeauftragte, sondern eben auch Fahrer. „Wir haben auch welche, die zwei Schichten fahren.“ Und die Fahrer seien längst nicht nur aus Plankstadt. Auch aus Mannheim stamme ein Fahrer, sagt Schüller.

Ob man notwendigerweise einen Verein gründen müsse, wie in Plankstadt geschehen, wisse sie nicht. In Bad Wimpfen sei ein Bürgerbus ohne Verein im Hintergrund umgesetzt worden. Sie würde aber wieder einen Verein gründen, um den Bürgerbus zu verwirklichen. Denn ein Verein sorge für mehr Zusammenhalt. 70 Mitglieder habe der Bürgerverein, mit rund 30 sei man gestartet, ehe sich die Zahl schnell vergrößert habe, sagt Schüller. „Eigentlich müssten wir jetzt wieder Mitgliederwerbung machen.“

Die Gemeinde Plankstadt stellte Geld zur Verfügung, damit der Verein sich einen Bus anschaffen konnte. „Der Mercedes Sprinter kostete rund 40 000 Euro. Und die Umbauten kosteten noch mal so viel“, sagt Schüller. Die Gemeinde hat dem Verein den Bus zwischenzeitlich überlassen.

Außerdem habe der Verein eine Konzession beim Regierungspräsidium gebraucht, das sei so, wenn man Linie fahre. Und der Anschluss an den Verkehrsverbund Rhein-Neckar werde am Rathaus sichergestellt, damit von und nach Eppelheim oder Schwetzingen umgestiegen werden könne. Der Bürgerbusverein habe – auch das als Tipp – die Fahrgäste befragt, was sie für Arzttermine und fürs Einkaufen vom Bürgerbus erwarteten.

Vorlauf von drei Jahren

In Plankstadt habe der Bürgerbus mit drei Jahren einen enormen Vorlauf gehabt, findet Schüller. „Es gibt andere Beispiele in Baden-Württemberg.“ Wenn die Gemeindeverwaltung mitziehe und man ordentlich Pressearbeit mache, könne es sicher schneller gehen, sagt Schüller. Vielleicht kann Ketsch tatsächlich von einer Vorarbeit in der Nachbarschaft profitieren.

Um ihre Zuversicht, dass in der Enderlegemeinde in nicht allzu ferner Zukunft ein Bürgerbus verkehrt, auszudrücken, erinnert Schütz ans Central Kino. Auch da sei das ehrenamtliche Engagement riesig gewesen. Für Schütz spielt nicht zuletzt die soziale Komponente eine wichtige Rolle, denn in Plankstadt habe sich gezeigt, dass die Bürgerbus-Fahrgäste sich unterhalten und Bekanntschaften schließen – anders als im Ruftaxi.

© Schwetzinger Zeitung, Mittwoch, 05.02.2020

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