Günther Martin (v. l.), Heike Schütz und Robert Brusnik von der Gemeinderatsfraktion der Grünen stehen Rede und Antwort bei einem Treffen an der Grillhütte. © WIDDRAT

Bäume in Ketsch müssen adäquat ersetzt werden

Serie „Schandflecke“ in der Gemeinde (Teil 3) – Die Grünen reden über „ökologische, soziale und ökonomische Notwendigkeiten“ / Einrichtungen müssen auf Prüfstand

In der Schwetzinger Zeitung vom 15.9.2021 ist folgender Beitrag über unseren Ortsverein erschienen.

Ketsch. Nicht über irgendwelche „Schandflecke“ wollten sie reden, sondern eher über „ökologische, soziale und ökonomische Notwendigkeiten“ im Ort, meinten Heike Schütz, Robert Brusnik und Günther Martin von der Gemeinderatsfraktion der Grünen bei unserem Treffen an der Grillhütte. Es sei schade, dass viele Themen in der Enderlegemeinde nicht angegangen beziehungsweise vernachlässigt würden. Hinzu komme die fehlende Transparenz bei Entscheidungen der Verwaltung

Für die kommunalen Grünflächen müsse endlich ein Konzept her für eine ökologische Gestaltung, bei der die Artenvielfalt im Vordergrund steht. Kurzgeschorenen Rasen durch Wiesen, zugepflasterte oder geschotterte Baumscheiben durch „begrünte“ Baumscheiben ersetzen.

Die Bepflanzung der Kreisel sei weder nachhaltig noch ökologisch sonderlich wertvoll, moniert Heike Schütz: „Ersetzen durch Ganzjahresbepflanzung, das ist ökologisch hochwertig.“ Bei zu vielen Flächen wird Rindenmulch verwendet, das könne man auch anders gestalten.

Die Grünen plädieren für Blühwiesen und eine ökologisch nachhaltige Gestaltung und gegen Schotterflächen. Die Gemeinde sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Die frischen Ideen müssten bald auf den Weg gebracht werden. Manche Umsetzung sei gar nicht so teuer, meint Schütz. Es gebe Förderprogramme zur Verbesserung der Biodiversität, dadurch könnten die Kosten reduziert werden.

Günther Martin kritisiert, dass kaputte Bäume nicht ausreichend ersetzt werden. Bäume sind für den Natur- und Klimaschutz sowie für den Artenschutz sehr wichtig. Der Baumbestand in Ketsch hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Um unter anderem für eine Verbesserung des Klimas und der biologischen Vielfalt zu sorgen und einer Aufheizung in den heißen Sommern entgegenzuwirken, seien Neupflanzungen mit begrünten Baumscheiben erforderlich, führt Martin aus. Es gelte den alten Baumbestand zu erhalten. Kleine, mickrige Bäume hätten kaum eine Chance.

Große Bäume, die Schatten spenden, gehörten auch unbedingt zum Schillerplatz, erklärt Robert Brusnik. Bäume würden den Aufenthalt auf dem Platz attraktiv machen. Der Bereich sollte so bepflanzt werden, dass heimische Arten Schutz sowie Bienen und Schmetterlinge wieder Nahrung finden. Kosten und Pflegeaufwand müssten geringgehalten werden. Das wäre dann nachhaltig. Aber wie in einer Mitteilung der Grünen erläutert (wir berichteten), sollte für den gesamten Schillerplatz ein Konzept erarbeitet werden, um ihn in vielfältiger Weise attraktiver und zukunftsfähig zu gestalten.

Martin geht auf den Friedhof ein: „Ein schöner Platz mitten im Dorf. Auf den Friedhofsmauern wuchs früher mal wilder Wein.“ Die Grünen-Fraktion hatte im Ratsgremium Rasen- und Baumgräber gefordert. Die Nachfrage werde immer größer. Es gebe ausreichend freie Flächen und auch Bereiche mit Baumbestand. Diese Bestattungsformen wären mit geringem Aufwand möglich. Die Attraktivität des Friedhofs könnte durch schöne Sitzgruppen gesteigert werden.

Und hier dürften auch Bienen ruhig umhersummen, verweist Heike Schütz auf den BUND-Artikel „Willkommene Ruhestörung“. Die Dächer der öffentlichen Gebäude und Hallen sowie der Lagerhallen von Firmen seien ökologische Problemfelder, weil sie nicht genutzt würden: „Hier müssten Photovoltaikanlagen installiert oder die Dächer begrünt werden.

Der Radverkehr werde von der Gemeinde „schändlich vernachlässigt“, kritisiert Brusnik. In Ketsch sei alles auf den Autoverkehr ausgelegt, hier fordern die Grünen-Gemeinderäte ein Radwegekonzept, das das Radfahren attraktiver macht. Damit sei aber nicht der Bau von neuen Radwegen gemeint, „sondern die Umgestaltung der bestehenden Straßen, zum Beispiel durch ein Einbahnstraßenkonzept, damit mehr Platz für die Radler da ist“.

Auch dafür gebe es Förderprogramme. Fahrrad-Leihsysteme wären ebenso wichtig, der Beitritt zum Mietradsystem „Nextbike“ müsse kommen. Die zu erwartenden Kosten dürften gar nicht so hoch sein.

Heike Schütz erläutert, was ihre Fraktion mit „soziale Notwendigkeiten“ meint: Die Förderung von Vereinen müsste erhöht und optimiert werden, etwa finanziell oder durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten. Die TSG sollte beim Hallenbau unterstützt werden. Wichtig sei die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, um jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, in Ketsch bleiben zu können. Viele fänden nach dem Auszug aus dem Elternhaus keine bezahlbare Wohnung.

Bestimmte Einrichtungen wie die Rheinhalle würden sich nicht tragen, geht das Grünen-Trio auf ökonomische Notwendigkeiten ein: „Wir müssen darüber nachdenken, wie die Halle wirtschaftlich werden kann und auch durch Vermietungen wieder mehr als Begegnungsstätte für die Bevölkerung dienen kann.“ Eine Sanierung oder etwa der Abriss wären natürlich mit hohen Kosten verbunden. Die Grünen wünschen sich die kommunalen Einrichtungen wie Hallenbad, Freibad, Hohwiese, „Alla Hopp!“-Anlage, Spielplätze, Hundewiese und Bücherei auf den Prüfstand. „Viele Einrichtungen tragen sich nicht, hier sollten wir zusammen mit den Bürgern überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, Ideen sammeln und Lösungen finden.“ Und das Konzept für Vereine und Ehrenamtliche sollte ohnehin neu bewertet werden.

Zu viel im stillen Kämmerlein

„In Ketsch wird nicht in die Zukunft gedacht, es wird immer nur reagiert. Es wird zu viel im stillen Kämmerchen erledigt und zu spät an die Öffentlichkeit gegangen. So können wir mit den Leuten vorher gar nicht über anstehende Maßnahmen sprechen“, gehen die Grünen-Gemeinderäte abschließend auf die mangelnde Transparenz ein, „hier besteht dringend Handlungsbedarf“. Für die Vision, wie Ketsch in ein paar Jahren aussehen soll, sei unbedingt eine bessere Einbindung der Bürger nötig: „Vor allem durch regelmäßige Einwohnerversammlungen und frühzeitige Informationsveranstaltungen zu großen Projekten.“

Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter unserer Zeitung.
Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter unserer Zeitung. © WIDDRAT

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