„Klimaneutralität ist zu 100 Prozent umsetzbar“

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN TECHNISCHE UND ÖKONOMISCHE VORAUSSETZUNGEN SIND MACHBAR

In der Schwetzinger Zeitung vom 8.10.2020 ist folgender Beitrag über unseren Ortsverein erschienen.

Das Klimaschutz notwendig ist, ist eine in der Wissenschaft unstrittige Tatsache. Auch wenn es schon immer Warm- und Kaltperioden in der Erdgeschichte gab, führt doch heute selbst eine minimale Erwärmung bei sieben Milliarden Menschen und dem exzessiven Lebensstiel der Wirtschaftsnationen, sehr schnell zu einer zuerst klimatischen, dann aber wirtschaftlichen Katastrophe. Doch erst seit kurzem setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass eine 100% Klimaneutralität sowohl technisch machbar ist, als auch ökonomisch sinnvoll sein kann.

Was wir brauchen ist nicht weniger als eine Vollbremsung, was aus der Grafik deutlich herauszulesen ist. In Deutschland (blau) hat sich in den letzten Jahren wenig getan. In Ketsch ist der Pro-Kopf-Verbrauch sogar gestiegen bis 2017.

So steil müsste nach dem Pariser Abkommen unser CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren abnehmen. Die derzeitige Tendenz in Ketsch ist davon leider noch denkbar weit entfernt – da geht über die letzten zehn Jahren noch nichts nach unten.

Die Kreisrätinnen und Kreisräte des Rhein-Neckar-Kreises, darunter Günther Martin, Bündnis 90 / Die Grünen, aus Ketsch, nehmen dieses Thema nun in den Blick, da die nächsten Jahre als die Entscheidenden im Kampf gegen den Klimawandel angesehen werden. Mit Fachvorträgen und Fachleuten wurden per Video-Konferenz Möglichkeiten und Potenziale diskutiert. Die Kreistagsgrünen hatten zu dieser interfraktionellen Veranstaltung eingeladen. Der genau richtige Zeitpunkt, wie sich im Laufe der Diskussionen zeigte. Die Wissenschaft fordert dabei einen völligen Umstieg auf erneuerbare Energien in den nächsten 15-20 Jahren. Aber wie können wir Benzin, Gas, Heizöl und Kohle so schnell durch erneuerbare Energien ersetzen, die idealer Weise auch noch in der Region gewonnen werden?

Physikerin und Ingenieurin von Oehsen hat eine solche Planung für die Stadt Heidelberg bereits erstellt und präsentiert die Zahlen. Dies kann nur gelingen, wenn Einsparungen und neue Energiequellen gleichermaßen genutzt werden. Einsparungen können dabei durch Gebäudedämmung, Verbrauchsreduktion oder Effizienzsteigerungen erzielt werden. Gute Beispiel zur Einsparung gibt es viele, so hat die Stadt Wiesloch eine große Anzahl ihrer Straßenlaternen mit Bewegungsmelder ausgestattet und damit viel Strom gespart.

Neue Energien können gerade in unserer Region aus Solarthermie, Geothermie, Flusswasserwärmepumpen und Biomasse gewonnen werden. Hier müsste vorrangig die Solarthermie ausgebaut werden. Wer eine solche Anlage hat, erzeugt warmes Wasser über die Sommermonate. All das ist heute technisch schon möglich. Die Diversifizierung schafft zudem ein großes wirtschaftliches Potential, denn sie schafft neue Innovationen und Arbeitsplätze. Damit gelingt auch der angestrebte Mix aus Ökologie und Ökonomie. Dieses magische Duo ist lange keine Fantasie mehr, sondern heute schon faktische Realität. Und das Bewusstsein in der Bevölkerung ist da, und wenn nicht jetzt wann dann?

Die bereits heute erzeugte erneuerbare Energie, die bisherigen guten Erfahrungen und die leider immer noch hohe Anzahl an Ölheizungen, stellen das Potential dar. Das existierende Nahwärmenetz stellt dabei wichtige Infrastruktur dar, die weiter genutzt werden muss. Nur die Windenergie muss in unserer Region noch erschlossen werden, so der Geschäftsführer der Klimaberatungsagentur KLIBA, Dr. Klaus Keßler.

Wichtig ist nun das von 2012 stammende Klimaschutzkonzept des Kreises auf den technisch neusten Stand zu bringen und das Projekt insgesamt vom Ende her zu denken. Ein verfehlen der Pariser Ziele will keiner! Es herrschte ein ermutigender Konsens unter den demokratischen Fraktionen des Kreistags, dass man im Bereich Klimaschutz nun Tempo machen müsse. Nach der Sommerpause werden diese Erkenntnisse und Strategien Eingang in das neue Klimaschutzkonzept des Kreises finden.

Dabei zogen alle ein positives Fazit der Veranstaltung. „Viele Themen profitieren davon, wenn die Mitglieder des Kreisrats nach gemeinsamen Lösungen über Fraktionsgrenzen hinweg suchen“, so Grünen-Fraktionssprecher Ralf Frühwirt. „Das ist vielleicht mal eine positive Folge der Corona-Situation: Unaufwändige Online-Konferenzen, die inzwischen Standard sind, erleichtern diese Art des Austauschs ungemein.“ Und man spart viel Energie, wenn man weiter diese jetzt getesteten Onlinemöglichkeiten nutzt.

Genauere Klimastatistiken auf www.klimaschutz-rnk.de

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