Nur neue EU-Normen können Bio-Vielfalt retten

GARTENSCHAUPARK: GRÜNE LANDTAGSABGEORDNETE MARTINA BRAUN UND MANFRED KERN INFORMIEREN SICH AM LEHRBIENENSTAND BEI GÜNTER MARTIN ÜBER SORGEN DER IMKER

 

Es summt, wie es sich gehört, am Lehrbienenstand im Gartenschaupark, als die grüne Landtagsabgeordnete Martina Braun (Villingen-Schwenningen) auf Rundtour mit ihrem Kollegen Manfred Kern (Schwetzingen) vorbeischaut. Ihr Thema: Bienen und Landwirtschaft. Gesprächspartner ist Günter Martin, Imker und Vorsitzender des Imkervereins Kurpfalz. Mit dabei im naturnahen Garten ist Grünen Stadt- und Kreisrat Adolf Härdle.

Bevor Erfahrungen ausgetauscht werden und rege diskutiert wird, zeigt Martin die emsigen Honigsammler, um deren Wohl – das übrigens auch das der Menschen ist, weil ohne die Insekten Bestäubung und damit Fruchtertrag schwierig wird – es ihm seit Jahren geht.

Donner macht Bienen nervös

Fürs Foto präsentieren sich die Gesprächspartner mit den Naturboten, die ihre kostbaren Wabeninhalte mit reinem Bienenwachs abdecken, „bei meinen Bienen kommt kein Plastik zum Einsatz, alles Naturmaterialien im Stock“, schildert Martin. Schnell geht es für die summenden Gesellen zurück in den Stock, denn die Luft ist gewitterträchtig, erste Donner grollen hörbar, „das macht die Bienen nervös“, weiß Martin.

Bei Wasser und Apfelschorle wird der Grund fürs Treffen geliefert: Martina Braun, selbst Biobäuerin mit Milchviehhaltung, ist auf Tour, um sich in Sachen Biodiversität (biogogische Vielfalt, Vielfalt der Ökosysteme) und Artenvielfalt (Maß für die Vielfalt biologischer Arten in einem Lebensraum) ein Bild zu machen, für diese dringenden Anliegen zu werben.

Schnell werden die Zusammenhänge transparent: Landwirte, die mit Monokultur Flächen belegen, Agrarflächen, die für Siedlungs- und Gewerbegebiete genutzt werden, fehlende oder nicht ganzjährig vorhandene Blühflächen und Streuobstwiesen als Bienenweiden, hohe Pachtkosten für Flächen, die eine Freiland-Tierhaltung nahezu unmöglich machen. Die Beziehung zwischen Verbraucherverhalten und Produktionsweise sowie Preisentwicklung sind hinlänglich bekannt, „der Verbraucher ist noch immer nicht genügend sensibilisiert“, sagt Braun, dass fast immer der niedrige Preis für einen Kauf entscheidend sei.

„Wie oft greifen die Menschen im Lebensmittelladen aber zu den Billigvarianten aus Quetschflaschen?“, fragt Braun. Klar, ob man den „guten“ Honig für unter 80 Cent pro 100 Gramm oder für teilweise mehr als zwei Euro für die gleiche Menge beim Imker kaufe, mache bei vielen privaten Haushaltsbudgets einen echten Unterschied, auch wenn dem Imkerprodukt selbstredend 100-prozentige Natürlichkeit zugewiesen werden darf, den Billigprodukten wohl kaum.

Kreislauf durchbrechen

Das Geschilderte lässt sich ungekürzt auf Gemüse, Brot und Fleisch übertragen und schlägt sich nieder im Düngemitteleinsatz bei Korn und Gemüsen, in der „effektiven“ Haltung von Vieh, das auf Menge, nicht auf Qualität aufgezogen wird, damit die Erzeuger vom Verkauf leben und weiterproduzieren können. „Ein Kreislauf, der mittels EU-Normen reglementiert ist und durch neue, gekoppelt mit der betriebsspezifischen Förderung von Anbau- und Tierhaltungskonzepten gewandelt werden könnte“, fasst Braun zusammen, für was die Grünen eintreten in Land und Bund.

Vor der Stippvisite bei den Bienen hat Braun schon bei Heike Gress auf dem Bio-Spargelhof „im Forst“ Schwetzingen-Ketsch und dem benachbarten Milchviehhof Schuhmacher reingeschaut, deren Schwierigkeiten angehört. zesa

© Hockenheimer Tageszeitung, Dienstag, 06.06.2017

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