Ein Grüner im Grünen: Robert Brusnik zieht für Bündnis90/Grüne in den neuen Gemeinderat ein. In seiner Freizeit pflegt und genießt er gerne seinen Garten, der früher noch ein Stück weiter in Richtung Fünfvierteläcker (hinten) reichte. © Jungbluth

Ärger über die Verwaltung als Antriebsfeder

IM PORTRÄT ROBERT BRUSNIK WILL ALS NEUER GEMEINDERAT DER GRÜNEN RADLER UND NATURSCHUTZ STÄRKEN / PROTEST GEGEN FÜNFVIERTELÄCKER UND MARKTPLATZ INITIIERT

In der Schwetzinger Zeitung vom 28.6.2019 ist folgender Beitrag über die Grünen erschienen. Autor: Benjamin Jungbluth (beju)

KETSCH. Robert Brusnik empfängt zum Gespräch auf der Terrasse in seinem Garten. Dort erholt sich der 51-Jährige gerne von seiner Arbeit als Chemikant und demnächst dann auch von seinen kommunalpolitischen Verpflichtungen im Gemeinderat, in den er jüngst für die Grünen gewählt worden ist. Viele Pflanzen bieten eine entspannte Atmosphäre, der Blick geht auf den Rand des benachbarten Neubaugebiets Fünfvierteläcker. Und genau dort liegt der Ursprung für die politischen Ambitionen von Robert Brusnik.

Vor 26 Jahren zog er mit seiner Frau von Heidelberg nach Ketsch, um direkt im Grünen zu wohnen. 2003 kauften sie ihr Haus am Rande des Neurotts, mit Blick auf Streuobstwiesen und in der Ferne den Altrhein. „Wir wussten, dass das Gebiet nebenan Bauerwartungsland war und auch, dass wir einen Teil unseres Gartens nur von der Gemeinde gepachtet hatten. Aber die Dimensionen, die dann auf uns zukamen, hatten wir nicht erwartet“, erzählt Brusnik.

Mit den Planungen für das Neubaugebiet wurde ihm und einigen Nachbarn klar, welche Auswirkungen sie zu spüren bekommen würden. Sie sahen den Naturschutz gefährdet, weil sich im Fünfvierteläcker Streuobstwiesen befanden, und schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen. „Die Gemeinde ist aber nicht auf unsere Anmerkungen eingegangen, sondern wollte ihr geplantes Baugebiet erschließen. Vor allem die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde, hat uns empört“, erzählt Brusnik. Am Ende zogen die Anwohner sogar vor Gericht, unterlagen dort allerdings.

„Das alles war für mich trotz der Niederlage so eine Art Erweckungserlebnis – auch weil ich irgendwann merkte, dass ich nur deshalb so engagiert gewesen war, weil ich persönlich betroffen war. Daraus habe ich den selbstkritischen Schluss gezogen, mich politisch zu engagieren und in unserer Gemeinde einzubringen, auch bei Themen, die mich nicht direkt betreffen“, sagt Robert Brusnik. 2013 gründete er mit anderen Interessierten den Ortsverband der Grünen. Ein Jahr später kandidierte er für den Gemeinderat, schaffte es aber noch nicht ins Gremium. Also engagierte er sich in der Partei und wurde zum Sprecher der Ketscher Grünen.

Deutlich Widerstand leisten
Bei der Diskussion um das geplante Gebäude auf dem Marktplatz war er einer der drei Köpfe hinter der Interessengemeinschaft (IG), die den Bürgerentscheid erzwang und die Pläne der Gemeindeverwaltung durchkreuzte. „Das hat sich für mich schon wie ein Sieg angefühlt, gerade auch nach meinen eher ohnmächtigen Erfahrungen beim Fünfvierteläcker“, sagt Brusnik. Gleichzeitig gaben die Diskussionen um die Bürgerbeteiligung den Grünen weiter Aufwind in der Enderlegemeinde, waren sie doch personell wie inhaltlich eng mit der IG verwoben.

Entsprechend groß sind die Hoffnungen von Robert Brusnik in Bezug auf den neuen Gemeinderat. Einerseits haben die Grünen nun fünf statt bislang drei Sitze – wobei seit der Abspaltung von Karin Kohl und Annette Läppchen als „Unabhängige Grüne“ Ende 2016 der verbliebene Grünen-Rat Günther Martin de facto Einzelkämpfer war. Andererseits hat es auch bei den anderen Parteien Veränderungen gegeben.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade neue und jüngere Ratsmitglieder offenere Gespräche über eine Zusammenarbeit möglich machen könnten“, deutet Robert Brusnik ganz offen Bemühungen um neue Allianzen im Ketscher Gemeinderat an. Und setzt mit einem Seitenhieb nach: „Vielleicht zählt dann nicht mehr nur die Meinung der Verwaltungsspitze.“

Überhaupt sieht der 51-Jährige seine Rolle als Grünen-Ratsmitglied darin, Kontra zu geben und – ähnlich wie sein Kollege Günther Martin – deutlich Widerstand zu leisten. „Ich will eine neue Transparenz erreichen: Bei uns finden zu viele Sitzungen und Besprechungen ohne Öffentlichkeit statt.“

Konkurrenz zum Auto schaffen
Als weitere Schwerpunkte nennt Brusnik die aus seiner Sicht verbesserungswürdige Infrastruktur im Ort, mit Grünen-typischem Schwerpunkt auf dem Radverkehr. „Wenn wir Straßen sanieren, wie in der Schwetzinger Straße oder am Kreisel, müssen wir heute für die Fahrradfahrer immer mitdenken. Nur so können wir eine ernsthafte Konkurrenz zum Auto erreichen“, sagt er.

Aus diesem Grund unterstützt er auch die zeitnahe Sanierung der Mannheimer Straße am Fünfvierteläcker, bei der sich Anwohner über die Verkehrsbelastungen beschweren (wir berichteten). „Ein Geh- und Radweg wäre dabei unbedingt notwendig, und ein Kreisverkehr an der Kreuzung zur Brühler Straße würde die Lage beruhigen“, ist Brusnik überzeugt. Wenn die Gemeinde schon viel Geld mit dem Verkauf der Grundstücke im Neubaugebiet gemacht habe, könne sie doch damit diese Maßnahmen finanzieren.

Auch die Ausgleichsflächen bei Bauvorhaben müssten aus seiner Sicht stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert werden. „Natur- und Artenschutz sind mir sehr wichtig, deshalb will ich ein Kataster einführen, in dem sämtliche Ausgleichsflächen genau erfasst und bei Bedarf kontrolliert werden können.“

Gleichzeitig will er die Verwaltung antreiben, mehr Informationen über Umweltschutzmaßnahmen zu veröffentlichen. „Diese Transparenz soll dazu führen, dass die Bürger im Mittelpunkt stehen und ernst genommen werden. Langfristig können solche Veränderungen bewirken, dass es erst gar keine neuen Bürgerinitiativen mehr geben muss.“

Info: Weitere Bilder mit einem Interview ohne Worte gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 28.06.2019

ZUR PERSON
Robert Brusnik ist 51 Jahre alt, in Heidelberg geboren und aufgewachsen und 1993 nach Ketsch gezogen.

Er arbeitet als Chemikant in Wiesloch, ist verheiratet und hat zwei jugendliche Töchter sowie zwei Familienhunde.

In seiner Freizeit spielt er Volleyball und Fußball, außerdem pflegt und genießt er leidenschaftlich seinen Garten.

Brusnik war federführend aktiv bei den Bürgerinitiativen gegen das Neubaugebiet Fünfvierteläcker und das Gebäude auf dem Marktplatz. Er ist Gründungsmitglied der Ketscher

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