Für den Erhalt der Ketscher Rheininsel sind Investitionen notwendig

Rheininsel Ketsch: Naturschutzfachliche Radexkursion mit Dr. Andre Baumann

Es ist unstrittig, dass Klimawandel und Artenvielfalt zu den wichtigsten Themen der nächsten 10 Jahre gehören werden. Da Klima und Wald in engem Zusammenhang stehen, ist die Ketscher Rheininsel also der prädestinierte Ort, um über diese Fragen zu informieren und zu diskutieren. Der Ortsverband Bündnis 90 / Die Grünen Ketsch hatte deshalb den Landtagskandidaten Dr. Andre Baumann zu einer Radexkursion in das Naturschutzgebiet eingeladen. Nikolaus Eberhardt, Sprecher der Grünen Ketsch, begrüßte den Naturschutzexperten aus Schwetzingen, die Vertreter der Forstverwaltung und den zuständige Förster Andreas Kolb, und die auf 20 begrenzten Teilnehmer.

Los ging es auf der Altrheinbrücke, die Eingangstor aber auch Schlüsselstelle im Auwald Rheininsel ist. Das Wasser hier, der Rhein, und die regelmäßigen Überflutungen haben den Wald seit Urzeiten geprägt. Viele Pflanzen sind an diesen Wechsel angepasst und brauchen geradezu diese Dynamik, um überleben zu können, erläuterte Dr. Baumann in seiner Einführung.

Baumann forderte beim Thema Forstwirtschaft eine sinnvolle Kombination aus Bannwald und Schonwald, und erteilte gleichzeitig den von Greenpeace geforderten völligen Einschlagstopp im Oberrheingraben eine Absage. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Wichtig ist eine naturverträgliche Forstwirtschaft und am besten regionale Verwendung.“

Erste Station war die Weichholzaue, die vom Hochwasser in regelmäßigen Abständen überschwemmt wird, und in der nur entsprechend hochwassertolerante Bäume wie die Pappeln und Weiden stehen. In diesem Bereich gibt es auch noch einige Hybrid-Pappeln, die durch ihr rasches Wachstum hier vor vielleicht 70 Jahren zur Holzgewinnung gepflanzt wurden. Ob diese nun entfernt werden sollen, weil nicht heimisch, oder ob man sie stehen lässt, und dem Prozessschutz Vorrang gibt, ist eine Frage, die sich durch die ganze Exkursion zog. Muss der Mensch eingreifen oder soll man die Natur sich selbst überlassen? „Wenn wir die Insel in der heutigen Form erhalten wollen, müssen wir pflegend eingreifen“, ist sich der Biologe sicher.

Totholz ist eine wichtige Grundlage für die Artenvielfalt in einem Wald, erklärte Andre Baumann an der nächsten Station. Pilze, die den Baum zersetzen, Käferlarven, die die Pilze fressen, alles bildet einen Kreislauf. Der Forst lässt bewusst einige Bäume stehen, um diesen Kreislauf zu ermöglichen, und setzt dies in seinem Alt- und Totholzkonzept um.

Weiter ging es zum nördlichen Baggersee, an dem der Landtagskandidat auf die Gewinnung und Nutzung der Rohstoffe einging. Der durch die Kiesgewinnung entstandene See liegt zwar idyllisch in der Landschaft. Bei der aktuellen Diskussion um den Entenpfuhl, betonte Baumann aber, dass jeder selbst Ressourcen verbraucht, und dass diese Ressourcen irgendwo – am besten so umweltverträglich wie möglich gewonnen – herkommen müssen.

Aus artenschutztechnischer Sicht sicher das Highlight der Tour war der Besuch der Orchideenwiese und der dortigen Wildreben, die landesweit vom Aussterben bedrohte Urform des Weins. Die Wildrebe hat ihren größten Bestand in Baden-Württemberg in Ketsch. „Wir brauchen eine pflegende forstliche Bewirtschaftung durch den Forst, um die Wildrebe zu erhalten“, so Baumann. Die Wiesen der Rheininsel wurden seit je her genutzt und werden heute mit hohem Aufwand im Auftrag der Naturschutzbehörde gepflegt und erhalten. Auch die Eichenaufzucht die anschließend besucht wurde, ist eine reine naturschutzfachliche Maßnahme, da die Kosten der Anpflanzung und Pflege, die Erträge bei weitem übersteigen.

Baumann, der aus seinen früheren Tätigkeiten an einigen Gesetzen und Haushalten beteiligt war, betonte, wie wichtig es ist, das notwendige Geld zu investieren. Wohl wissend, dass wir auch durch die aktuelle Krise weiter sparen müssen, aber nur durch gezielte Maßnahmen und Investitionen die wunderbare Vielfalt und Natur auf der Insel erhalten können. Auch Andreas Kolb bestätigte, dass seien Arbeit hier immer Vielfalt bedeutet. Viele Methoden, viele einzelne Biotope und Waldformen. Und vor allem eine enge Abstimmung zwischen Forst und Naturschutzbehörden.

Auch nach dem die Exkursion offiziell beendet war, wurden die regen Gespräche und Diskussionen zwischen den Teilnehmern fortgeführt. Das Thema Naturschutz ist hochkomplex und man war sich einig, nur wer investiert, bekommt etwas zurück.

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